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SchuldnerAtlas Deutschland 2006
SchuldnerAtlas Deutschland 2006
Neuss, 06.11.2006
Arme werden ärmer
Die Schuldnerquote für Deutschland beträgt zum Stichtag 1. Oktober 2006 10,68
Prozent Vorjahr: 10,43 Prozent). Das heißt, rund 7,2 Millionen Deutsche oder
mehr als jeder zehnte erwachsene Einwohner gelten als überschuldet. Im Vergleich
zu 2005 entspricht dies einer moderaten Steigerung um 180.000 Personen. Im Jahr
2004 lag der Anstieg noch bei 470.000 Betroffenen – deutlich mehr.
Die Schuldnerquote liegt in den neuen Bundesländern (11,35 Prozent,
einschließlich Berlin) höher als im Westen Deutschlands (10,55 Prozent).
Insgesamt sind im Osten Deutschlands rund 1,3 Millionen Personen als
überschuldet zu bezeichnen, im Westen rund 5,9 Millionen Personen.
Überschuldung liegt dann vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen
Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm
zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch andere
Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz: Die zu leistenden
monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.
Die vertiefende Analyse belegt einen generellen und zugleich
besorgniserregenden Trend: Die Zunahme der Schuldnerquoten ist häufig besonders
stark in den Gebieten zu verzeichnen, die auch in der Vergangenheit eine
überdurchschnittliche Schuldnerquote aufwiesen. Hingegen erweist sich die
Steigerung in schuldnerarmen Gebieten meist nur als marginal. Kernstädte und
Ballungsräume weisen höhere Schuldnerquoten auf als ländliche Regionen. Die
Schlussfolgerung lautet: Die Schere zwischen schuldnerarmen und schuldnerreichen
Gebieten öffnet sich. Überschuldung verdichtet sich räumlich und erzeugt
mutmaßlich neue Überschuldungsstrukturen, die zu einer weiteren Festigung
(„Schuldenghetto“) beitragen können.
Bundesländer: Bayern vorn
Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen – wie auch schon im Vorjahr – die
Bundesländer Bayern (7,7 Prozent; Vorjahr: 7,6 Prozent), Baden-Württemberg (8,1
Prozent; Vorjahr: 8,0 Prozent) und Sachsen (9,8 Prozent; Vorjahr: 9,5 Prozent)
auf.
Schlusslichter sind – ebenfalls wie auch schon 2005 – die Länder
Sachsen-Anhalt auf dem drittletzten Platz mit einer Überschuldung von 13,4
Prozent (Vorjahr: 13,0 Prozent), Berlin (15,2 Prozent; Vorjahr: 14,8 Prozent)
und Bremen mit 15,3 Prozent (Vorjahr: 14,6 Prozent).
Höchste Überschuldung in Deutschland: Bremerhaven
Die Analyse der Verschuldungssituation in Deutschland zeigt auf Basis der 439
Kreise und kreisfreien Städte ein nochmals deutlich differenzierteres Bild. Die
Spannweite reicht 2006 von der niedrigsten gemessenen Schuldnerquote im
bayerischen Landkreis Eichstätt (4,2 Prozent / rund 4.000 Schuldner; Vorjahr:
4,3 Prozent) bis hin zur höchsten gemessenen Schuldnerquote in der Stadt
Bremerhaven (20,7 Prozent / rund 20.000 Schuldner; Vorjahr: 19,6 Prozent).
Platz zwei der am wenigsten von Überschuldung betroffenen Kreise belegt
Straubing-Bogen (5,1 Prozent; Vorjahr: 5,1 Prozent). Auf dem dritten Platz folgt
Regensburg mit einer Schuldnerquote von 5,3 Prozent (Vorjahr: 5,3 Prozent). Am
unteren Ende der Skala liegen vor Bremerhaven die Städte Flensburg mit einer
Schuldnerquote 18,6 Prozent; Vorjahr: 18,0 Prozent) und Offenbach am Main mit
18,9 Prozent (Vorjahr: 18,4 Prozent).

Überschuldung: Männersache
Die überwiegende Mehrheit aller Verschuldungsfälle entfällt auf Männer (66,9
Prozent; Vorjahr: 67,1 Prozent), obwohl sie nur knapp die Hälfte der deutschen
Bevölkerung ausmachen. Der deutlich höhere Anteil männlicher Schuldner lässt
sich aus der Tatsache ableiten, dass in vielen Fällen der Mann immer noch als
„Haushaltsvorstand“ fungiert und für Verbindlichkeiten gerade zu stehen hat oder
in Schuldenangelegenheiten als formal Verantwortlicher auftritt.
Überschuldung wird jünger
Ein weiterer Trend: Überschuldung wird jünger. Zwar sind die meisten
Überschuldeten – 14,7 Prozent – in der Gruppe der 40 bis 49-Jährigen zu finden.
Allerdings sind sowohl hier als auch bei den 30 bis 39-Jährigen und den älteren
Altersklassen Rückgänge zu verzeichnen (bei den 40 bis 49-Jährigen um 0,2
Prozentpunkte; bei den 30 bis 39-Jährigen um 0,9 Prozentpunkte auf 13,2
Prozent). Dagegen steigt die Überschuldungsbetroffenheit bei den Jüngeren an.
Die Zahl der überschuldeten unter 20-Jährigen stieg im Jahresverlauf um 0,3
Prozentpunkte auf 0,9 Prozent – die der 20 bis 29-Jährigen um 0,5 Prozentpunkte
auf 8,5 Prozent.
Arbeitslosigkeit und Überschuldung zeigen, wie zu vermuten war, eine hohe
Korrelation. Vor dem Hintergrund der weiter zunehmenden internationalen
Arbeitsmarktkonkurrenz und den damit verbundenen Arbeitsplatzverlagerungen ist
zu erwarten, dass Arbeitslosigkeit und Einkommensarmut auch in Zukunft
Hauptauslöser von Überschuldungsprozessen bleiben werden.
Zwei Grundmuster der Überschuldungskarriere
Generell ist bei der Entstehungsgeschichte von Überschuldung zwischen zwei
unterschiedlichen Grundvoraussetzungen zu unterscheiden, und zwar – vereinfacht
formuliert – dem armuts- und dem wohlstandsbasierten Muster. Die Betroffenen des
Armutsmusters kommen in der Regel aus der so genannten Unterschicht, die durch
Niedrigeinkommen bzw. Arbeitslosigkeit oder nicht in Anspruch genommene
Sozialleistungen gekennzeichnet ist. Überschuldung entsteht hier zur Sicherung
der Existenz. Auf der anderen Seite stehen die Wohlstands-Überschuldeten, die
allen Schichten zuzuordnen sind. Ver- und Überschuldung entstehen hier durch
eine überhöhte Konsumneigung, meist gekoppelt mit mangelndem Finanzwissen und
der Bereitschaft zur riskanten Kreditaufnahme. Diese als „Experimentalisten“
bezeichnete Schuldnergruppe ist gekennzeichnet durch ein hohes
Lifestyle-Bedürfnis zur Unterstreichung der eigenen Individualität.
Für weitere Informationen zum SchuldnerAtlas Deutschland 2006
wenden Sie sich an Ihren Kundenbetreuer oder rufen Sie an unter Tel.:
+49 (0)2131 109-701.
Herausgeber: microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH
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