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Milieus in der Stadtentwicklung

Neuss, 22.02.2008

Autorin: Dr. Sabine Friedrich ist Projektleiterin bei Ernst Basler + Partner AG in Zürich und Stadtforscherin. Sie beschäftigt sich mit Fragen der Stadtentwicklung und des Wohnungsmarktes.

Nicht nur für Fragen des Produktmarketings, sondern auch für Fragen der Stadtentwicklung finden heute die sozialen Milieus Anwendung. Sie liefern ein Abbild unserer Gesellschaft, das auf einer Lebensweltanalyse moderner Gesellschaften beruht. Dabei werden Gruppen von Gleichgesinnten zusammengefasst, die in Lebensauffassung und Lebensweise übereinstimmen. Kriterien, die diese Einteilung beeinflussen sind Lebensziel, Arbeit, Gesellschaftsbild etc.

Für das Wohnen können für verschiedene Milieus konkrete Ansprüche für die Wohnung (z. B. Grundrissgestaltung, Ausstattung), das Wohnumfeld (z. B. Gestaltung des Freiraums, Nutzungsmischung, bauliche Dichte) und die Stadt (z. B. Image, Freizeitangebote) formuliert werden. Für die in diesem Artikel besprochene Fallstudie Uster wurde dem aktuellen Schweizer Modell der Sinus-Milieus® (Sinus Sociovision) und den hierfür aufgebauten MOSAIC Milieus® von microm gearbeitet.

In der Stadt Uster sind im Schweizer Vergleich (bezugnehmend auf Datenauswertungen zu den Sinus-Milieus® und den MOSAIC Milieus® von microm) eher unkonventionelle Milieus überrepräsentiert, die mutigere Wohnformen bevorzugen, stärker freizeitorientiert sind und bei denen Spontaneität und Erlebnisse im Vordergrund stehen. Hingegen sind eher traditionelle Milieus unterrepräsentiert.

Im Wechselspiel zwischen den Eigenschaften des Planungsgebiets, den Zielen der Stadtentwicklung und den gesamtstädtischen Qualitäten wurden so Szenarien für die zukünftige Atmosphäre und Lebenswelt des Gebiets entworfen, die die Spannweite geeigneter Bewohnermilieus diskutieren. Von sozial durchmischten Gebieten mit einer mittleren bis leicht höheren baulichen Dichte, einem urbanen Flair mit Restaurant, Kinderbetreuung und geringer sozialer Kontrolle fühlen sich unkonventionelle Milieus besonders stark angesprochen. Eine eher geringe bauliche Dichte wird von traditionellen Milieus bevorzugt, die hier ihren Traum vom Einfamilienhaus realisieren möchten.

Mit solchen Überlegungen können bereits auf der Stufe der Gebietsentwicklung Lebenswelten generiert werden, die helfen, den planerischen Rahmen für städtebauliche Wettbewerbe und Detailplanungen abzustecken.

Wohnen: Abbild von vielfältigen Erwartungen

Die bisher durchgeführten Studien konnten aufzeigen, dass die Ausrichtung der Stadtplanung auf die zukünftige Bewohnerschaft sowohl für Gemeinden als auch Investoren neue Horizonte eröffnet: klare Positionierung von Standorten, präzise Vorgaben für den weiteren Planungs- und Vermarktungsprozess und zufriedene Bewohner/innen. Trends und deren Potenziale können hiermit besser in den Planungsprozess einbezogen werden und Leerstandsrisiken vermieden werden. Polarisierte Entwicklungen durch einseitige Ausrichtung auf einzelne Zielgruppen tragen zu gestalterisch monotonen Entwicklungen bei und erhöhen gleichzeitig die wirtschaftlichen Risiken. Gemeinden können Tendenzen zur Segregation besser entgegenwirken und die Entwicklung von Wohnraum für benachteiligte Zielgruppen gezielt fördern. Es ist aber auch Vorsicht geboten: die Standorteigenschaften und das Umfeld bestimmen letztlich die Bandbreite der zukünftigen Bewohnerschaft. Die Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt werden damit nach langer Zeit wieder zu einer wichtigen Zielgröße der Stadtentwicklung. Mit ihren vielschichtigen urbanen Lebensformen prägen sie das Gesicht unserer Städte. Dies sollte sich stärker in vielfältigen, den unterschiedlichen Bedürfnissen angepassten Wohnformen, gestalteten öffentlichen Räumen und den spezifischen Versorgungsangeboten widerspiegeln.

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Herausgeber: microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH

 


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