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microm Geo Milieus Migranten
microm Geo Milieus Migranten
Neuss, 06.04.2010
Die Sinus-Studie über Migranten Milieus räumt mit vielen Vorurteilen auf, die das Bild der Migranten in unserem Land bestimmen. So ist in der Migrantenpopulation die Bereitschaft zur Leistung und der Wille zum gesellschaftlichen Aufstieg stärker ausgeprägt als in der einheimischen Bevölkerung. Mehr als zwei Drittel zeigen ein modernes, individualisiertes Leistungsethos. 69 % sind der Meinung: Jeder, der sich anstrengt, kann sich hocharbeiten (in der Gesamtbevölkerung stimmen dieser Aussage nur 57 % zu). Mehr
als die Hälfte der Befragten zeigt einen uneingeschränkten Integrationswillen. 87 % sagen: Alles in allem war es richtig, dass meine Familie und ich nach Deutschland gekommen sind.
Die Menschen mit Migrationshintergrund – fast 20 % der Gesamtbevölkerung – sind keine soziokulturell homogene Gruppe. Vielmehr zeigt sich – wie in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund – eine vielfältige und differenzierte Milieulandschaft. Dabei wird deutlich: Die Herkunftskultur determiniert nicht den grundlegenden Werte-Mix. Und auch der Einfluss religiöser Traditionen wird dabei oft überschätzt. Einige Beispiele: Sinus AB3, das „Traditionelle Arbeiter Milieu" der Migranten, das den Traum einer
Rückkehr in die Heimat aufgegeben hat. Wichtig sind ein befriedigender Lebensstandard, ein gesicherter Arbeitsplatz, traditionelle Familienwerte und soziale Gerechtigkeit. Dagegen steht Sinus B23, das „Adaptive Bürgerliche Milieu“, mitten im Prozess der Modernisierung. Bei diesem Milieu handelt es sich um die pragmatische moderne Mitte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, die nach sozialer Integration und einem harmonischen Leben in gesicherten Verhältnissen strebt. Sinus BC2, das „Multikulturelle
Performermilieu“, ist ein junges, flexibles und leistungsorientiertes Milieu mit bi- bzw. multikulturellem Selbstbewusstsein, das nach Autonomie, beruflichen Erfolg und einem intensiven Leben strebt.
Die Ergebnisse der Migranten-Milieu-Studie des Heidelberger Instituts Sinus räumte mit einer Fülle an Vorurteilen auf, die in Deutschland nach wie vor das Bild von Migranten bestimmen. So gehört die Mehrheit beispielsweise einer christlichen Konfession an (56 %), 22 % bekennen sich zum Islam. Auffallend ist die große Bereitschaft, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Dazu gehört auch, die deutsche Sprache zu beherrschen. So bestätigten 85 % der Befragten, ohne die Sprache könne man in Deutschland
keinen Erfolg haben. 68 %schätzten die eigenen Sprachkenntnisse als sehr gut bis gut ein.
Fakt ist: „Die meisten in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund haben eine hohe Leistungsbereitschaft und streben nach Erfolg.“ Das zeigten die Ergebnisse der Studie deutlich.

Nun, in 2010 ist es soweit! Mit der Unterstützung namhafter Partner der öffentlichen Hand hat die microm die Migranten Milieus in einer Multi-Client-Studie microgeographisch verortet.
Ende Februar traffen sich der deutsche Caritasverband, das ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklung, der vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., die statistischen Ämter und Integrationsbeauftragte der Städte München, Wiesbaden und Konstanz gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision GmbH in Neuss bei der Firma microm Micromarketing Systeme und Consult GmbH zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der microgeographischen Verortung der Migranten Milieus ein.
Ziel der Lokalisierung war es, nutzenstiftend in die operativen Anwendungen der Sinus-Migranten-Milieus einzugreifen. Die Übertragung in den Raum liefert dabei Aufschluss über Fragen, wie:
- wie hoch ist der Anteil welcher Migranten-Milieus in Gemeinde X?
- in welchen Stadtmitten findet man die ambitionierten und bürgerlich orientierten Milieus?
- wo sind bzw. entwickeln sich städtische Problemgebiete?
- in welchen Straßenabschnitten sind integrative Maßnahmen besonders anzuraten?
Die microgeographische Lokalisierung der Migrationsbevölkerung bietet somit einen zusätzlichen Mehrwert. Sie ermöglicht klare und eindeutige Aussagen darüber, wo Migranten leben und wie sehr sich die einzelnen Teilgruppen darin unterscheiden. Dabei lassen sich auch unterschiedliche Segregationstendenzen erkennen, also differenzierte Aussagen darüber treffen, welche Milieus stärker unter ihresgleichen bleiben und welche Milieus stärker in die einheimische Bevölkerung integriert sind.
„Die Strukturen, die wir mit der Verortung der Migranten Milieus aufzeigen konnten, decken sich eindeutig mit unseren Erfahrungen“, so Herr Baier, Teamleiter Statistik und Steuerungsunterstützung der Stadt Konstanz. Doch darüber waren sich während der Gesamtpräsentation ohnehin sämtliche Workshop-Teilnehmer einig. Die Lokalisierung der Migranten Milieus ist für vielfältige Einsatzbereiche von großer Relevanz. Exemplarisch seien an dieser Stelle die Stadtentwicklung, die Wohnungs- und Quartierpolitik, der Bereich
der Integration sowie weitere karitative Zwecke genannt. Die von microm vorgelegten Ergebnisse stellen insofern eine völlig neue Grundlage für die Arbeit vor Ort dar, deren Relevanz für die praktische Arbeit sich in den nächsten Monaten erweisen muss. Da die Ergebnisse und Strukturen nun auch städteübergreifend miteinander vergleichbar sind, ermöglichen sie einen Erfahrungsaustausch, basierend auf einer einheitlichen Klassifizierung von Migranten mit jeweils unterschiedlichen Verhaltensmustern. Dass Integrationsmaßnahmen
in Stadt A funktioniert haben und in Stadt B nicht, kann beispielsweise daran liegen, dass die Migranten in den jeweiligen Städten oder Stadtquartieren ganz unterschiedlichen Milieus angehören. So wurde im Workshop u. a. deutlich, dass die Strukturen in Wiesbaden und Konstanz völlig unterschiedlich sind. Das voneinander Lernen wollen die Städte und Verbände, die die Verortung der Studie in Auftrag gegeben haben, in zukünftigen Veranstaltungen weiter vorantreiben.
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